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1. Adventsonntag: Friede sei mit uns – ein ewiger Traum?

In den ersten Novembertagen dieses Jahres gedachte man an vielen Orten der Welt des Endes des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren. „Nie wieder Krieg“ – war eines der oft zitierten Ausrufe, denn die Menschen hatten einen Krieg mit bis dato unvorstellbaren Gräueln hinter sich. – Haben sie etwas daraus gelernt? – Leider nicht, denn sosehr der Krieg und die Gewalt damals verabscheut wurde, den eigentlichen Ursachen hat man nur sehr wenig Augenmerk geschenkt. Gleich danach waren Forderungen nach Reparationen, Gebietsansprüchen, usw. auf dem Tisch, die nur den Unfrieden, den Hass und die Ungerechtigkeit weiter vertieften.

In diesem Zusammenhang fällt vielleicht der Vers aus Mt 5,39 ein: „Wenn dich einer auf die linke Backe schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“. Eine Weisheit, die im ersten Moment sehr irritiert. Warum muss ich nochmals Schmerz und Demütigung erleiden, um den Frieden zu erlangen? – Was soll das, fragen sich dabei manche. Dabei ist es nicht anderes, als eine Weisheit, die schon die alten Griechen erkannt hatten, nämlich die der Amnestie. Dort wurde diese nämlich per Gesetz verordnet und in ihrer ganzen Konsequenz exekutiert. Was bedeutet das?

Geschehenes kann nicht ungeschehen gemacht werden, das wissen wir alle aus oft schmerzhafter Erfahrung. Der Ruf und Wunsch nach Rache, Vergeltung und (vermeintlicher)Gerechtigkeit ist stark. Doch wie kann es gelingen, dieser Spirale aus Misshandlung, Mord, Totschlag und fortlaufender gegenseitiger Gewalt zu entrinnen? Ein Dilemma, das sich seit Jahrtausenden durch die Menschheitsgeschichte quält.

Im alten Griechenland erkannte man, dass man ein neues, unberührtes Blatt im Buch des Lebens aufschlagen muss. Dies kann aber nur geschehen, wenn alles alte „Beleidigende und Verletzende“ nicht weiter belastet. Deshalb wurde „das allgemeine Vergessen“ – die Amnestie, per Gesetz verordnet. Die Verletzung oder Missachtung diese Gesetzes wurde unter Todesstrafe oder, was oft gleichbedeutend war, mit Ausschluss aus der Gemeinschaft geahndet – also der höchsten aller Strafen. Somit kann Amnestie als eine Art verordnetes Vergessen gesehen werden. Dies verlangt von den Menschen einen ungeheuren Mut zur Größe und eine Menge an Toleranz. Das ist nicht einfach und vielfach nicht leicht – und es bringt für manche Seite nochmals Schmerz. – Doch nur durch diesen Schmerz gelingt ein neuer Anfang, ist ein neues, gemeinsames Leben möglich.

Das Christentum versteht sich als Religion des Friedens. Doch welch einen Widerspruch sehen und lesen wir in den täglichen Nachrichten?

Der erste Adventsonntag soll an den Einzug Jesu nach Jerusalem erinnern (Lk 21,25–28.34–36). Der Bericht über diesen triumphalen Einzug ist ein Kontrastprogramm. Doch diese Kontraste zeigen uns Beispiele zur Anwendung im eigenen Leben auf. Es ist die Geschichte eines Königs, der als niederer Diener auf einem Esel kommt, nicht in königlichen Roben, sondern in der Kleidung der Armen und Demütigen. Jesus Christus kommt nicht als irdischer König, um mit Zwang zu erobern, sondern mit Liebe, Gnade, Barmherzigkeit und seinem eigenen Opfer für sein Volk. Sein Königreich auf Erden hat keine Armeen, Reichtümer und Glanz, sondern Demut und Dienerschaft. Er erobert keine Nationen oder Märkte, er will niemand dominieren. Nein, er lädt ein und spricht den Menschen ins Herz, seine Botschaft ist die des Friedens.

Jeder Friede beginnt immer im Kleinen, in uns selbst, egal wie die äußeren Umstände auch sein mögen. Jeder Friede beginnt oder endet dort, wo die Grenzen zwischen mir und meinem Nächsten überschritten werden. Wenn in uns selbst Unfrieden herrscht, dann spiegelt sich dies meist auch nach außen in unseren Worten und Handlungen wider. Dieser innere “Krieg” führt dann über kurz oder lang auch zu äußerem Unfrieden. Deshalb ist es so wichtig, mit sich selbst im Reinen zu sein, „rund zu laufen“. Ich kann nicht etwas von anderen verlangen, was ich selbst nicht bereit bin zu geben.

Der wesentliche Schritt zum inneren Frieden ist die Vergebung. Nur durch Vergebung anderen und sich selbst gegenüber können die negativen Emotionen überwunden, die eigene Mitte gefunden und innerer Frieden erlangt werden. Damit ist nicht gesagt, das die Handlungen oder Vorkommnisse, welche zu dem Unfrieden geführt haben, in Ordnung waren. Manchmal hilft hier nur das verordnete Vergessen, denn für einen Neuanfang muss man auch einmal über den eigenen Schatten springen können. Dann wird klar, was Jesus meinte: „Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“. – Frieden lässt sich nicht ohne Schmerz erreichen und kann auch niemals einseitig erfolgen. Es ist ein zähes Ringen, doch es gelingt nur, wenn beide Seiten ein echtes Interesse daran haben. Frieden fängt in kleinen Schritten und Gesten an. Oft sind viel Einfühlungsvermögen und Kreativität erforderlich, um Konflikte mit geeigneten, gewaltfreien Mitteln zu lösen. Es ist ein langer Lernprozess und erfordert emotionale Reife. Machen wir uns an diesem ersten Adventsonntag gemeinsam auf den Weg …

In diesem Sinne:

Shalom aleikhem as-salāmu ʿalaykum

peace be upon you –

La paz sea contigo –

Pokój z toba –

La paix soit avec vous –

a paz estaja contigo –

Friede sei mit Dir !

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