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4-24-fr-vNur 0,02% der Wassermenge der Erde sind als Süßwasser für den Menschen relativ leicht verfügbar. Das ist eine sehr geringe Menge, weshalb es nicht verwundert, dass zwei Drittel der Weltbevölkerung mindestens einen Monat im Jahr nicht ausreichend Wasser zur Verfügung haben und sie somit unter schwerer Wasserknappheit leiden. Wasser ist daher eine sehr kostbares Gut, mit dem allerdings sehr oft nicht gerade sorgsam umgegangen wird. Vielleicht denken wir bei Wasserknappheit in erster Linie an die Länder der sog. „Dritten Welt“ und vergessen dabei, dass es nur eine Welt gibt. Klimatische Zusammenhänge infolge ungebremsten Ressourcenabbaus machen sich auch schon bei uns bemerkbar. Am augenscheinlichsten wird dies im sog. El Niño – Effekt. Obwohl vom Pazifik ausgehend, leiden viele andere Regionen der Erde unter diesem Phänomen – auch Europa.

mater_misericordiae-202x300Unsere Industrie, Lebensstile und die persönlichen Bedürfnisse unserer wachsenden Bevölkerung sind Rivalen der Natur bei der Verwendung von sauberem Wasser. Der Klimawandel ist ein zusätzliches Element bei der Unsicherheit der Verfügbarkeit von Wasserressourcen. Die Perspektive wechselnder Niederschlagsmuster lässt erwarten, dass zukünftig in einigen Teilen Europas mehr und in anderen weniger Süßwasser zur Verfügung stehen werden. Konfrontiert mit steigender Nachfrage und dem Klimawandel, werden viele Nutzer – einschließlich der Natur – darum kämpfen, ihre Wasserbedürfnisse zu decken. Im Falle von Wasserknappheit, können Industrie und Haushalte Wege entwickeln, um weniger Wasser zu verbrauchen. Aber unser wasserabhängigen Ökosysteme könnten irreversibel geschädigt werden. Dies würde sich auf viel mehr als nur das Leben rund um das betroffene Gewässer auswirken – es wird uns alle betreffen.

Ein sehr durstiger Zweig unserer heutigen, von Industrie und Wirtschaft geprägten Welt ist die Landwirtschaft – allein in Europa entfällt ein Drittel der Wassernutzung darauf. Die Landwirtschaft wirkt sich auf die Quantität und Qualität des für andere Einsatzgebiete verfügbaren Wassers aus. In einigen Teilen Europas, ist die Verschmutzung durch Pestizide und Düngemittel aus der Landwirtschaft eine der Hauptursachen für eine schlechte Wasserqualität. Durch unser Konsumverhalten nehmen wir unmerklich Einfluss auf den Wasserverbrauch. Und dieser liegt bei uns bei etwa 700 Liter pro Tag und Person! Dabei gehen nicht nur Trinken, Waschen und die Dusche in die Rechnung ein, sondern auch, dass etwa für die Herstellung von 1 kg Rindfleisch ungefähr 20 000 Liter Wasser, für ein Kilo Butter 5-10 Liter gebraucht werden. Schaut man sich nun im Supermarkt die Regale mit Butter und Fleisch an, ist die Wassermenge, die für die Herstellung verbraucht wurde, kaum noch vorstellbar …

Auch die Industrie zählt zu den großen Durstigen. In der Energieerzeugung wird ein Großteil für die Kühlung herangezogen – etwa 2/3 aller Wasser in den Flüssen wurden schon dafür benutzt. Die steigenden Temperaturen (oft nur Zehntel Grad Celsius) nach der Wiedereinleitung machen das Wasser für die Fische als Kinderstube unbrauchbar. Sie verlieren damit ihre Laichplätze, der Artenbestand geht zurück oder ganz verloren. Und Staumauern verhindern überdies den Zug der Fische zu anderen Laichplätzen.

Überdies dient das Wasser der Industrie auch als Rohstoff, zum Beispiel als Reinigungs- und Lösungsmittel. Zudem wird Wasser für viele chemische Prozesse benötigt. Für die Herstellung von 1t Papier braucht man etwa 400.000 Liter, für 1t Stahl etwa 200.000 Liter und für 1t Kunststoff werden etwa 500.000 Liter Wasser gebraucht.

Leider von vielen Christen bisher zu wenig beachtet sind die Ausführungen des Papstes in seiner Enzyklika „Laudato si“. Darin schreibt er zum Thema „Die Wasserfrage“:

Sauberes Trinkwasser ist eine Frage von vorrangiger Bedeutung, denn es ist unentbehrlich für das menschliche Leben und zur Erhaltung der Ökosysteme von Erde und Wasser. Die Süßwasserquellen versorgen die Bereiche von Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Industrie. Über lange Zeit blieb der Wasservorrat relativ konstant, jetzt aber übersteigt an vielen Orten die Nachfrage das nachhaltige Angebot, mit schweren kurz- und langfristigen Folgen. Große Städte, die von einem bedeutenden Volumen der Wasserspeicherung abhängig sind, erleiden zeitweise einen Ressourcenrückgang, der in kritischen Momenten nicht immer mit einer angemessenen Steuerung und mit Unparteilichkeit verwaltet wird. Die Knappheit an Gemeinschaftswasser besteht besonders in Afrika, wo große Teile der Bevölkerung keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser haben oder unter Dürreperioden leiden, die die Produktion von Nahrungsmitteln erschweren. In einigen Ländern gibt es wasserreiche Regionen und zugleich andere, die unter schwerem Wassermangel leiden.

Ein besonders ernstes Problem, das täglich viele Todesopfer fordert, ist die Qualität des Wassers, das den Armen zur Verfügung steht. Unter den Armen sind Krankheiten im Zusammenhang mit dem Wasser häufig, einschließlich derer, die durch Mikroorganismen und chemische Substanzen verursacht werden. Diarrhö und Cholera, die mit unangemessenen hygienischen Einrichtungen und mit einem ungeeigneten Wasservorrat zusammenhängen, sind ein bedeutender Faktor für das Leiden von Kindern und für die Kindersterblichkeit. Das Grundwasser ist an vielen Orten durch die Verschmutzung bedroht, die von einigen Formen der Rohstoffgewinnung, von landwirtschaftlichen und von industriellen Betrieben verursacht wird, vor allem in Ländern, in denen es keine Regelung und keine ausreichenden Kontrollen gibt. Denken wir nicht nur an die Abfälle der Fabriken. Die Waschmittel und die chemischen Produkte, welche die Bevölkerung vielerorts in der Welt verwendet, sickern fortlaufend in Flüsse, Seen und Meere.

Während die Qualität des verfügbaren Wassers ständig schlechter wird, nimmt an einigen Orten die Tendenz zu, diese knappe Ressource zu privatisieren; so wird sie in Ware verwandelt und den Gesetzen des Marktes unterworfen. In Wirklichkeit ist der Zugang zu sicherem Trinkwasser ein grundlegendes, fundamentales und allgemeines Menschenrecht, weil es für das Überleben der Menschen ausschlaggebend und daher die Bedingung für die Ausübung der anderen Menschenrechte ist. Diese Welt lädt eine schwere soziale Schuld gegenüber den Armen auf sich, die keinen Zugang zum Trinkwasser haben, denn das bedeutet, ihnen das Recht auf Leben zu verweigern, das in ihrer unveräußerlichen Würde verankert ist. Diese Schuld wird zum Teil beglichen durch mehr wirtschaftliche Beiträge zur Versorgung der ärmsten Bevölkerung mit klarem Wasser und Hygiene. Es ist jedoch eine Wasserverschwendung nicht nur in den Industrieländern zu beobachten, sondern auch in den weniger entwickelten Ländern, die große Wasserreserven besitzen. Das zeigt, dass das Wasserproblem zum Teil eine Frage der Erziehung und ein kulturelles Problem ist, denn es fehlt das Bewusstsein der Schwere dieses Verhaltens in einem Kontext großer Ungleichheit.

Ein größerer Wassermangel wird einen Anstieg der Nahrungsmittelpreise und der Kosten bestimmter Produkte verursachen, die vom Wasserverbrauch abhängen. Einige Forscher haben vor der Möglichkeit eines akuten Wassermangels innerhalb weniger Jahrzehnte gewarnt, wenn nicht schnell gehandelt wird. Die Umweltbelastungen könnten Milliarden von Menschen schaden, doch es ist absehbar, dass sich die Kontrolle des Wassers durch große weltweite Unternehmen in eine der hauptsächlichen Konfliktquellen dieses Jahrhunderts verwandelt.

Durstige tränken bedeutet heute, unseren eigenen Durst zu stillen bzw. zurück zuschrauben. Damit ist der von der Gier getriebene Durst gemeint, der anderen das Wasser zum Leben nimmt oder den Zugang verweigert. Wasser ist Leben, Träger des Lebens – somit unser Leben. Ohne (reines) Wasser gäbe es auch keine Taufe! Achten wir es daher, als das was es ist – eine der größten Gaben Gottes.

Quellen: Umweltbundesamt, Europäische Umweltagentur, Enzyklika “Laudato si”

 

 

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