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Das Salvatorianische Charisma – die Faszination kam plötzlich

 

Es kam völlig unerwartet, nicht geplant und seltsam fordernd.

 

Aber zuerst die Vorgeschichte:

Seit Jahrzehnten beschäftigte ich mich mit unterschiedlichen Ordensregeln. Als ausgebildete Naturwissenschafterin analysierte ich die Regeln nach diversen Kriterien, wie gemeinschaftsbildende Maßnahmen, die Rolle des Einzelnen in der Gemeinschaft, die Aufgaben der Ordensgemeinschaften, die Einstellung zur jeweils aktuellen Umgebung, die Rolle des Gehorsams, Ortsabhängigkeit etc.

Meine persönliche Einstellung, mein Privatleben und meine spirituelle Entwicklung während all dieser Jahrzehnte waren nie darauf ausgerichtet, selbst in ein Kloster zu gehen. Meine 42 Jahre lange Ehe, die in jeder Hinsicht unglaublich bereichernd und außergewöhnlich war, förderte sowohl meine analytische Vorgangsweise als auch meine Zuwendung zur Mystik.

Ich bewunderte Orden, die Jahrhunderte lang ihrer ganz spezifischen Aufgabe treu geblieben waren und deren Mitglieder sich ebendiesen Aufgaben unterordneten. Die eigenen Talente, die Ausbildungen, die bisherigen Berufe, all das war im Rahmen des Ordenslebens oft gar nicht oder nur teilweise möglich. Es gab und gibt andere Prioritäten: Die unterschiedlichen Wege der Gott-Suche, der Verherrlichung, des Gebetes für Anliegen und die Besinnung. All das kann erfüllend sein und eine ganz persönlich fordernde Aufgabe.

Ich war und bin fest davon überzeugt, dass wir aus all diesen Ordensregeln Essenzen für unser weltliches Alltagsleben mitnehmen können, wobei ich mich selbst darum bemüht habe.

Im Laufe der Zeit stellte sich für meinen Mann und mich die Frage, wie wir uns doch näher an eine Gemeinschaft binden könnten, ohne unser unabhängiges Denken, unsere ungewöhnliche Arte des Glaubenslebens, zu vernachlässigen.

Es sollte eine Bindung sein, die uns guttut, aber nicht in ein Korsett zwängt.

Gemeinsam fanden wir keine derartige Gemeinschaft und pflegten trotzdem intensiven Kontakt zu einigen Wenigen, die unsere unterschiedlichen Ankerpunkte wurden.

 

Aber zurück zu meiner persönlichen Geschichte:

All diese Beschäftigung mit Ordensregeln war in gewissem Maß rational und analytisch, getragen von meiner großen Hochachtung. Nur zwei Gemeinschaften weckten mein intensives Interesse: Die Benediktiner und die Jesuiten. In diese Regeln, Geschichte, Gestaltung des jeweiligen Ordenslebens, der Rolle der Laien und der Zielsetzung der Gemeinschaften drang ich tiefer und suchender ein.

Trotz der Begeisterung für diese Gemeinschaften schloss ich mich nicht, bzw. wir uns nicht, den zugehörigen Laiengruppen an, obwohl mein Mann und ich einmal schon knapp davor waren

Es vergingen Jahre.

Und plötzlich war sie da.

Die Idee, mich intensiver mit den Salvatorianern zu beschäftigen, das Charisma näher kennen zu lernen. Einfach aus dem Nichts.

Die Idee wurde stärker, drängender, fordernder.

Ich durchforstete Bücher, insbesondere über P. Jordan, seine Geschichte, seine Beziehungsfähigkeit, die Geschichte der Männer- und Frauengemeinschaften – und natürlich, im Vordergrund stehend, über das Charisma des Ordens.

Ich war fasziniert.

Zuerst vom Gründer P. Jordan, der trotz vieler Schwierigkeiten, trotz erzwungener Änderungen, trotz anfänglicher Fehlschläge, mit einer unglaublichen stillen Beharrlichkeit vorging. Er war so fest von seiner Aufgabe überzeugt, dass er einfach seinen Weg ging, seine Gründungen erreichte – sanft, mit einer riesengroßen inneren Stärke. Nein, er war kein Mann der äußeren Macht, der alles als legendärer Prediger strahlend erschuf. Er war auch kein Mann, der die weltlichen Ereignisse übergehen und kontemplativ leben wollte. Er sah die Nöte der Zeit. Er wusste, was ihm aufgetragen war, was er tun musste, und strahlte diese ruhige Überzeugung so intensiv aus, dass er Anhänger und Mitglieder seiner Gründungen begeistern konnte.

Und dann kam bei auch bei mir eine unglaublich drängende Begeisterung für die Struktur der Gemeinschaft, wie ich sie noch in keinem mir bekannten Orden gefunden habe:

Die Dreiteilung in Männergemeinschaft (Salvatorianer), Frauengemeinschaft (Salvatorianerinnen) und Laiengemeinschaft (Laiensalvatorianer*innen).

Das war und ist in der katholischen Kirche ein unfassbar seltener Zugang. Die Rolle der Laien in der Verbreitung der Botschaft Jesu ist wichtig, für die Salvatorianer so wichtig, dass sie ein gleichberechtigter Teil in der gesamten Gemeinschaft sind.

Ich konnte es zuerst nicht glauben, war aber dann einfach davon zutiefst begeistert.

Und dann fand ich eine ebenso wichtige, unglaublich menschenfreundliche Botschaft: Im Salvatorianischen Charisma sind alle Menschen willkommen. Jeder/ jede hat Talente und spezielle Begabungen, die man einbringen kann. Es ist bunt, es ist lebendig, es ist eine Anerkennung jedes Einzelnen. Nein, das macht die weltweite Gruppe nicht einfacher. Aber es zeigt allen Menschen, dass sie willkommen sind.

Und plötzlich war mir klar, dass auch ich gefragt bin. Dass auch ich mich einbringen kann, mit allen Möglichkeiten, die ich persönlich habe.

Dieser Zugang, diese Anerkennung im Rahmen einer Ordensgemeinschaft, dieses Wissen, um die Wertschätzung jedes Einzelnen, hat mich berührt, begeistert und erfüllt.

Wenn diese Voraussetzungen tatsächlich gelebt werden, von den einzelnen Gruppen verinnerlicht und praktiziert werden, dann kann sich ein System des Engagements in den verschiedensten Bereichen bilden, je nach dem, was gerade die Zeit und das Umfeld brauchen. Und ich darf und kann dabei sein.

 

Wie sollte ich da nicht fasziniert sein?

Eveline Riedling

 

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