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Kaum ein Begriff wäre einem Menschen noch vor hundert Jahren so wenig fragwürdig erschienen wie der Begriff der „Heimat“. Es handelte sich dabei schlicht um den Ort, an dem man hingehörte und am dem man sich – nicht nur im räumlichen Sinne des Wortes – auskannte. Andere Orte waren die „Fremde“, man fühlte sich dort unwohl, auch wenn es ähnlich aussah und der Klang der Sprache vertraut wirkte.
Die Heimat aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen verlassen zu müssen, aus seiner Heimat flüchten zu müssen oder mit Gewalt vertrieben zu werden, das war und ist bis in die Gegenwart das Schicksal von vielen Millionen Menschen. Der Mangel an erlebter Heimat zeigt sich deutlich auch in anderen Verhaltensweisen. In unserer mobilen Gesellschaft ist es überdies für viele notwendig und auch selbstverständ-lich, aus beruflichen Gründen aus der angestammten Heimat wegzuziehen.
Gerade unter jungen Stadtbewohnern hat sich ein modernes Nomadentum herausgebildet, welches sich von herkömm-licher nomadischer Lebensweise vor allem darin unter-scheidet, dass wesentlich mehr „Gepäck“ bei den Umzügen mitgeführt wird. Dies ist ein Ausdruck der heutigen Bindungs- und Beziehungslosigkeit, eben der Heimatlosigkeit, die zwangsläufig auch eine innere ist – die Menschen vereinsamen zusehends.
Dieser Zustand lässt die Menschen beispielsweise auch mit einer gewissen Gleichgültigkeit Müll auf die Straßen werfen, was jemand in seiner Heimat, seinem Zuhause, die ja untrennbarer Bestandteil seiner Person ist, niemals tun oder als Tat anderer Menschen kaum stumm dulden würde. Ebenso zählt hierher die Gleichgültig- und Teilnahmslosigkeit an anderem (politischem/-gesellschaftlichem) Geschehen vor unserer Haus- oder Wohnungstür, oder die Flucht in virtuelle Welten am PC.
Was bedeutet Dir Heimat? – Geburtsort, Wohnort, vertraute Umgebung, gemeinsame Sprache, gemeinsamer Glaube?

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