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Teil 3: Der Versuch eine Antwort zu finden – Lass Dich entzünden …

Wenn ich an das Feuer bzw. die Flamme in P. Jordans Eifer für die Mission denke und wie sie sich heute für uns widerspiegelt, so erinnert sie mich an mein Gelöbnis als Laien-Salvatorianer und wieso dies aus meiner Sicht wichtig ist.

Der 8. Dezember ist ein heiliger Tag für alle Mitglieder der Salvatorianischen Familie. Viele von ihnen erneuern dort ihr Versprechen/Gelöbnis oder ihre Gelübde – und manche machen sie zum ersten Mal. Zur Vereinfachung werde ich hier im kommenden das Wort „Gelöbnis“ verwenden, weil es bei den Laien-SalvatorianerInnen mehr gebräuchlich ist. Natürlich kann ich nicht ausschließen, dass die Brüder und Schwestern der beiden anderen salvatorianischen Zweige hier einige Ähnlichkeiten entdecken werden – aber auch Unterschiede in einigen Bereichen.

Wie auch immer, die meisten von uns wissen mehr oder weniger, was mit einem Gelöbnis gemeint ist. Schaut man in ein Wörterbuch, so werden wir einige andere Synonyme finden, wie etwa Zusicherung, Gelübde, Zusicherung, Garantie, aber auch Verantwortung, Verpflichtung, usw. All dies versucht zu beschreiben, was mit Gelöbnis gemeint ist – und ja, Laien-SalvatorianerInnen müssen eine Gelöbnis ablegen – doch wozu dient es?

Pater Jordan, unser verehrter Gründer, stellte in einer seiner Kapitelansprachen die Frage, wie ein Prediger denn entzünden könne, wenn er selber nicht brennt? Und das ist auch eine Frage an uns Laien-SalvatorianerInnen, denn wir wollen und sollen Apostel in unserer Zeit in unserem Umfeld sein. Um aber selbst „zu brennen“ und andere entzünden zu können, muss ich mich selbst entzünden lassen. Das bedeutet, sich zu öffnen, sich auf das Geheimnis Gottes einlassen und aufmerksam und sensibel zu werden gegenüber seinem Anruf. Ist dies geschehen,so darf ich die zarte Flamme in mir nicht zum Erlöschen bringen, weil es für mich persönlich vielleicht einfacher, bequemer oder „friedlicher“ wird. Natürlich ist das Gelöbnis mit Kanten und Ecken, oder auch manchen Stacheln verbunden, – die anecken, Wunden aufreißen, Fragen aufwerfen, Meinungen hervorrufen – die manchmal auch ziemlich unbequem sein können. Es ist eine Herausforderung, aber keine unbewältigbare Hürde. Denn es liegt an meiner persönlichen Einstellung, wie sehr ich bereit bin, die Aufgabe anzunehmen – einmal mehr und einmal weniger. Denn nicht jeden Tag ist man in derselben guten Verfassung, nicht jeden Tag gelingt alles gleich gut. Und damit habe ich jeden Tag die gleiche Frage vor mir auf dem Tisch: Kann ich diese Aufgabe erfüllen? Bin ich wirklich bereit mein Gelöbnis zu leben? Ausgehend von mehreren Gründen, in wie vielen Fällen werde ich keinen Erfolg haben?

Und dann gibt es Momente, wo der Himmel die Erde zu berühren scheint. Augenblicke, in denen Gottes Führung spürbar wird, er ist mit mir auf dem Weg. Mein Vertrauen wird nicht enttäuscht und er führt mich durch schwierige Gebiete. Es sind Situationen, in denen seine Nähe mystisch spürbar und erfahrbar wird – wo selbst der Kirche reserviert Gegenüberstehende spüren, da ist etwas, das trägt und einem nicht kalt lässt. Etwas, das Empfindungen wie Wärme, Freude und Motivation auslöst, – von dem man gerne mehr hätte – es glost etwas.

Seit einigen Jahren schon, wird das „Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens“ in unserer österreichischen Salvatorianischen Familie gemeinsam mit der Erneuerung der Gelöbnisse gefeiert. Dies taten wir anfangs zwar gemeinsam, doch nach Zweigen getrennt, hintereinander. Wir Laien-SalvatorianerInnen benützen dabei immer unsere Kerzen. Das war und ist eine Tradition mit einem spirituellen Hintergrund. Für uns ist die Feier am 8. Dezember ein gelebtes salvatoranisches Zeichen. Dort bekommt einmal im Jahr die persönliche „Entzündung“ einen ganz reellen Ausdruck. Ausgehend von der Flamme einer Altarkerze (oder manchmal der Osterkerze), dem Symbol des auferstandenen Christus, werden die Kerzen der Laien-SalvatorianerInnen entzündet. Dabei wird die Flamme von Einem zum Nächsten weitergereicht, was den Zusammenhalt in der Gemeinschaft und das Entzündet-Werden und Wieder-Entzünden zum Ausdruck bringt. Die Kerze verzehrt sich selbst im Verbrennen, ähnlich dieser Kerze verzehrte sich Christus in seiner Liebe für die Menschen. Diese Liebe soll auch uns erfassen und um sich greifen. „Andere werden sich angezogen fühlen, in unsere Gemeinschaft einzutreten, wenn sie sehen, wie hier die Liebe regiert.“ – schreibt P. Jordan in seinem Geistlichen Tagebuch. Das ist auch ein Auftrag für unseren heutigen Gemeinschaften. Die österreichische Salvatorianische Familie hat sich weiterentwickelt und seit ein paar Jahren erneuern wir gemeinsam unser Gelöbnis zur selben Zeit, mit denselben Worten – und mit einer entzündeten Kerze!

Es ist sehr wichtig, sich zu solchen geistigen Feiern zusammen zu finden und das Fest mit echten Zeichen zu begehen, die unsere Herzen berühren und uns neue Kraft schenken. Solange wir dem Hl. Geist genug Raum in unserem Leben und in unseren Gemeinschaften geben, solange wir offen sind für „Seine frische Brise“ und für neue Entwicklungen, solange werden unsere Seelen bei uns sein.

Im nächsten Teil: Gedanken über die Zukunft – was ist nötig …


Dieser Text entstammt dem Vortrag „Die Salvatorianische Familie – ein ungewöhnlicher Blick aus der Perspektive des dritten Zweiges“ von Christian Patzl anlässlich Tagung „Salvatorians: On fire with the Spirit“ der US-amerikanischen Salvatorianischen Familie vom 22.06.2016

 

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