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Image1Zwei Mönche waren auf der Wanderschaft. Eines Tages führte sie der Weg an einen Fluss.

Dort stand, etwas verängstigt, eine junge Frau mit wunderschönen Kleidern. Offenbar wollte sie über den Fluss, doch da das Wasser sehr tief war, konnte sie den Fluss nicht durchqueren, ohne ihre Kleider zu beschädigen.

Ohne zu zögern ging einer der Mönche auf die Frau zu, hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. Auf der anderen Flussseite setzte er sie trocken ab.

Nachdem dann der andere Mönch auch durch den Fluss gewatet war, setzten die beiden ihre Wanderung fort.

Nach etwa einer Stunde fing der eine Mönch an, den anderen zu kritisieren: ” Du weißt schon, dass das, was du getan hast, nicht richtig war, nicht wahr? Du weißt, wir dürfen keinen nahen Kontakt mit Frauen haben. Wie konntest du nur gegen diese Regel verstoßen?”

Der Mönch, der die Frau durch den Fluss getragen hatte, hörte sich die Vorwürfe des anderen ruhig an.
Dann antwortete er: “Ich habe die Frau vor einer Stunde am Fluss abgesetzt – warum trägst du sie immer noch mit dir herum?”

 

Diese Geschichte ist ein gutes Gleichnis für Situationen, in die wir so ab und an geraten können. Etwas Ungewöhnliches ist passiert, es hätte nicht geschehen sollen, aber trotzdem ist es nun mal geschehen. Jemand ist uns zu nahe getreten, hat uns in unseren Grundfesten erschüttert. So etwas kann den Geist schon einige Zeit beschäftigen. Habe ich etwas falsch gemacht, wo lag mein Fehler.

Vielleicht ist es dann gut an diese Geschichte zu denken und die Sache auf sich beruhen zu lassen. Was bringt es, Dinge die sich nicht mehr ändern lassen, ungeschehen machen zu wollen. Es ist besser, sie einfach wieder abzustellen – und weiter zu gehen. Zwar akzeptieren, dass sie da sind, aber sich nicht ewig davon in Besitz nehmen lassen. Ich hoffe, es gelingt beim nächsten Mal …

 

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