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landschaft

 

 

 

Ich träume von einer Kirche,
der die alltägliche und selbstlos dargebrachte Liebe wichtiger ist
als die Lehren des Katechismus und die Normen des Kirchenrechts.

Ich träume von einer Kirche,
die kreativ ist und Krativität zulässt,
die Menschen in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit respektiert
und nicht in erster Linie schubladisiert und auf den Geldbeutel schaut.

Ich träume von einer Kirche,
die nicht immer auf die Antworten und Vorgaben aus Rom wartet,
sondern sich auf den schöpferischen Geist verläßt, der allen Christen,
Männern und Frauen, gegeben ist und diesen zur Entfaltung bringt.

Ich träume von einer Kirche,
die die Gleichheit aller Christen durchsetzt,
die Würde der Frau sichtbar macht und endlich allen Klerikalismus überwindet
und die Laien wirklich als Volk Gottes begreift.

Ich träume von einer Kirche,
in der man in Rom Bischöfe ernennt,
die das Volk Gottes annehmen kann, die genug Persönlichkeit und Lebenserfahrung haben, s
odass ihr Wort wieder Gehör finden kann.

Ich träume von einer Kirche,
die sich von den Menschen in die Pflicht nehmen läßt:
von den Armen und Kranken, von den Flüchtlingen, von den wiederverheirateten Geschiedenen,
von den ungeborenen Kindern, von den Hungernden in der weiten Welt,
von den Flüchtenden und nach Gerechtigkeit Dürstenden, von der nach Sinn verlangenden Jugend.

Ich träume von einer Kirche,
die in der Verkündigung und in der Feier der Liturgie eine Sprache spricht,
welche die Menschen der heutigen Zeit verstehen
und welche die Antwort auf ihr tägliches Leben nicht schuldig bleibt.

Ich träume von einer Kirche,
die eine lebendige Kirche ist, die mit den Menschen das Leben teilt
und dafür eintritt, dass die Menschen neben all ihrer Arbeit und Geschäftigkeit noch genug Zeit für die Muße,
die Gemeinschaft und natürlich für Gott haben müssen.

Ich träume von einer Kirche,
die weder im Vatikan noch in den Ordinariaten meint, meinen Glauben bevormunden zu müssen;
die sich nicht wie ein großer Bruder oder eine große Schwester zwischen Gott und den Menschen drängt,
sondern sich an der Beziehung Gott – Mensch in allen Facetten erfreut.

Ich träume von einer Kirche,
die zu feiern und zu beten versteht,
die mit mir lachen und trauern kann, in der es wieder Ziel wird, eine echte Gemeinschaft zu leben.

Ich träume von einer Kirche,
in der es der Wahrheit und Einheit wegen immer Ämter geben wird,
die aber weiß, daß Autorität mit Liebe übersetzt werden muß und daß Amt nichts anderes als Dienst ist.

Ich träume von einer Kirche,
die eine anziehende und wärmende Gemeinschaft ist
und jeden einlädt und umschließt, der sich der Armen, Verfolgten und Notleidenden wegen aufreibt;
besonders die Kreativen und in mancher Hinsicht anders Denkenden, die unsere Welt so nötig hat.

Ich träume von einer Kirche,
die das Wunder der Menschwerdung Gottes
in vielen Wahrheiten bezeugt und auf vielen Glaubenswegen ausschöpfen kann
und somit echt katholisch ist.

Ich träume von einer Kirche,
die aus der Kraft des Heiligen Geistes vertraut, die Spannungen aushält,
Konflikte sachlich bearbeitet und mit allen gemeinsam einen Weg der Liebe sucht
und sich durch diese Liebe weisen und tragen läßt.

Ich träume von einer Kirche,
die Hoffnung hat für die Welt und für einen jeden Menschen,
weil sie den in ihrer Mitte hat, der alle Hoffnung begründet,
der seine unerschöpfliche Liebe an alle ausgießt.

Ich träume von einer Kirche,
die mich am Ende meines Lebens begleitet
und mir in meinen letzten Atemzug hineinruft:
Fürchte Dich nicht, denn Gott ist immer bei Dir.

 

nach einem Text von P. Roman Bleistein SJ (verändert)
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